raus aus dem alter

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Katrin S. stellt sich vor mit den Worten: "Hallo. Katrin. Hausfrau und Mutter." Dann lacht sie künstlich verlegen, als sei sie peinlich berührt. Es soll irgendwie witzig klingen, es klingt jedoch schier abfällig, als sei es ihr irgendwie peinlich. 30 Jahre Emanzipation uns alles was ich zustande gebracht habe ist gebären. Was für ein Verrat am eigenen Geschlecht.

Katrin S. hatte zum Zeitpunkt der Schwangerschaft bereits 7 Jahre lang promoviert, Kunstgeschichte, detailverliebte Gespräche, alles kann richtig und falsch zugleich sein. Der ältere Sohn ist jetzt 4, die Promotion noch längst nicht fertig, denn der Job als Hausfrau und Mutter frisst einen auf. Die Kinder bringt ihr berufstätiger Mann zum Kindergarten, nach dem Frühstück hat sie also Zeit für den Haushalt. Die S.ens beschäftigen aber zwei Putzfrauen, welche sich abwechseln, und die Rechnung ist einfach: Man verdiene ja in der gleichen Zeit mehr als eine Putzfrau koste! Ok, noch nicht, aber bald, nach der Promotion!

Katrin S. kommt eigentlich aus Berlin, wo man so richtig modern lebt. Ihr Mann ist als Volkswirt nicht annähernd so universell einsetzbar wie die beiden es sich selbst und anderen einzureden versuchen, denn dann wären sie nicht in dem fränkischen Käffchen Würzburg geblieben sondern schön in die Metropole gegangen, wo man so gebildete Menschen wie sie brauchen kann, um ein kleines Rädchen im Getriebe des Kulturbetriebs zu drehen. Und damit das Leben von morgen zu erfinden. Aber ihr Mann hatte eben das nötige Glück, zur günstigen Zeit ohne Konkurrenz gewesen zu sein, was ihn gegen jedes physikalische Gesetz eine Stufe auf der Karriereleiter nach oben geschwemmt hat, und jede Veränderung wäre jetzt ein ökonomisch nicht zu vertretender Rückschritt - gerade wenn die Frau eben nur ein bisschen Kunstgeschichte kann und weder putzt noch kocht. Zum Eingewöhnen des jüngeren Sohnes in der Krippe muss der Vater 10 Tage Urlaub nehmen. Das läuft im Detail so: Man legt den Zweijährigen ab, entfernt sich so lange Zehenspitze für Zehenspitze bis der Kleine zu Krächzen beginnt und kommt dann eilig gelaufen um jedem etwaigen Trauma die Luft aus den Segeln zu trösten. Nach 10 Tagen kann man dann so lange weg bleiben, dass man zwischendurch arbeiten gehen kann - während die Frau sich - aber intensiv - mit Kustgeschichte befasst.

Katrin S. ruft ihren Mann mehrfach täglich auf der Arbeit an, um sich über die Söhne zu beklagen. Das Mobiltelefon ihres Mannes ist recht laut eingestellt und er geht auch während kleinerer Besprechungen mit seinen Mitarbeitern ran, weil Katrin S. ihm das sonst übel nimmt. Die Mitarbeiter hören die Frau ihres Chefs dann statt einer Begrüßung "Die nerven." sagen und sehen sich besorgt an. Es kann jetzt nämlich passieren, dass Katrin S.ens Mann den Arbeitstag beenden muss um nach Hause zu fahren, sich um die Kinder zu kümmern. Einmal hatte der ältere Sohn eine Zecke, schon saß Katrin S.ens Mann im Auto. Rettung nahte. Sie scheute wohl die Fahrt mit dem ÖPNV zum Arzt, mit zwei nervenden Söhnen und zuhause auf dem Schreibtisch die fast fertige Doktorarbeit.
5.10.13 13:10
 


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