raus aus dem alter

  Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch

http://myblog.de/dood

Gratis bloggen bei
myblog.de





Aus dem Fenster eines Kämmerleins hatte ich den kleinen, stämmigen Waldarbeiter ja schon beim Mord machen beobachtet. Die Erinnerung spuckt aus: Sein Opfer wird völlig überrascht von seiner pragmatischen Kaltblütigkeit, mit der er gemeinhin Bäume fällt, und nun eben auch Menschen. Er tut es ohne zögern, wie ein Metzger das Schwein in die Wurst tut.
Die Erinnerung verwehrt: Die Mordwaffe und das Motiv.

Wir finden also einen Scheck über 2.400 EUR und freuen uns gütlich. Die drei Gebäude des Einsiedlerhofs liegen gemächlich auf einer abschüssigen Lichtung. Die Sonne fällt durchs Fenster aufs Bett, aus dem E. Ideen wirft, was mit ihrer Hälfte anzufangen sei. Ein Motorengeräusch taucht aus dem Wald auf, wir erwarten keinen Besuch und sehen uns verwundert an. Mehr aus dem Bauch denn einer Vorahnung folgend verstecke ich den Scheck und gehe zum Fenster. Ein waldgründer Subaru 4x4 hält einige Meter entfernt und als ich sehe, wer aussteigt, erstarre ich vor Angst. Der Waldarbeiter öffnet ohne jeden Blick über Hof oder Wald den Kofferraum seines Fahrzeugs und nimmt sein Werkzeug bei der Hand. Ich fasse mir grade noch rechtzeitig ein Herz und schiebe mich hinter den Vorhang, bevor er mich im Blickwinkel wahrnehmen muss. Man hört ihn übers Kies losgehen, quer zum Haus passiert er den Hof. Mit zwei, drei flinken Sätzen bin ich an der Tür und lege den Riegel leise vor. Sie verfügt nicht über ein Schloss, einen Mörder hält sie sicher nicht. Mein Blick zu E.: Sie versteht nicht warum, aber dass Ruhe sein muss. Seine Schritte sind inzwischen nicht mehr zu hören, ich schleiche zum anderen Fenster und erspähe ihn am anderen Ende der Lichtung, wo er sein Werkzeug vor einer Tanne ablegt und die Hände in die Hüften stemmt, um nach dem Wipfel auszuschauen. Das ist Möglichkeit, denke ich, so leis als möglich E. in Kenntnis zu setzen, dass ein Mörder und umschleicht. Gerade da fährt er herum, den Blick direkt in mich gebohrt. Mit einem Satz bin ich zur Seite, und weiß nicht ob er mich gesehen hat. Die ganze Zeit hoffe ich, dass E. nichts sagt. Er kommt aufs Haus zu, man hörts am Kies. Gleich muss er an der Tür sein. E. und ich sehen uns an. Die Schritte werden wieder leiser, wir wissen es nicht zu deuten. Kaum können wir atmen, die Halsschlagader pocht, wir ersehnen uns nur den Motor des Subaru anspringen zu hören. Das waren 20 Meter, und sicherlich spiegelt das Fenster - vielleicht hat er mich ja gar nicht gesehen? Es klopft.

Über der wackligen Tür ist ein einscheibiges Fensterlein angebracht. Ich stelle mich auf die Fußballen und gucke hindurch. Der kleine Mann mit der Halbglatze sieht konzentriert zu mir hoch und er benötigt nicht die kleinste Mimik, mir das Öffnen zu verordnen. Ich lege den Riegel zur Seite und meine Angst betrifft E. - sie weiß nicht, was da für einer steht. Was, wenn sie irgendeines ihrer Rechte einfordert? Der schlägt uns tot.

Die Tür ist auf und ich stehe ihm Gegenüber. In seiner Hand hält er ein Stück Holz, durch dessen Ende ein Zimmermannsnagel geschlagen ist. Er sagt:

Ich bin e'n Amt.

Und macht einen kleinen Schritt auf mich zu. Dann:

Was will e'n Amt?

Noch ein kleiner Schritt. Immer noch Blickkontakt:

So viel Geld wie möglich.

Ich gebe zu, wir haben einen Scheck und den könnt er gerne haben. Er tritt ein und schließt die Tür. Die Erinnerung verweht: Das Versteck des Schecks.
8.8.12 21:27
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung