raus aus dem alter

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Unausgelastet, fand sie, sei ich, weil sie mich zweimal am selben Tag im Internet surfend erwischte. Eigentlich müsste man "sah" sagen, denn ich tat es nicht mit dem leisesten Hauch schlechten Gewissens; surfe ich hier doch mehr denn ich arbeite. Aber aus ihrer Sicht muss es sich um "erwischen" gehandelt haben, denn gleich setzte sie Hebel, wenn auch erstmal nur die kleineren, in Bewegung: Rückmeldung mit meinem "Betreuer", wie es nicht nur bei Schwerstbehinderten, Demenzkranken und Kindern, nein, auch bei Praktikanten heisst, und eben dann die Ansage, dass da jetzt mal eine Zwischenpräsentation her muss.

Die hab ich vorbereitet, hab sie gehalten und erntete in erster Linie Anerkennung, in seinem Ausmaß dann doch zu meinem Erstaunen. Der Betreuer meinte, es sei jetzt schon mehr als erwartet. Innerlich hab ich laut gelacht. Der Beisitzer meinte, was das doch für edle Folien seien, wie wundervoll ich zu präsentieren vermöge, welch extratechnosphärischen Wortschatz ich da abzurufen wisse. Das war mir schon fast zu viel Schleim. Und die Teamleiterin, nun ja, bemerkte eben "einige Dinge als verbesserungsfähig, aber auch -würdig", wovon ich jede einzelne völlig übertrieben dankbar annahm, aber auch sie schaffte nicht, eine gewisse Zufriedenheit zu verstecken. Damit wars das, dachte ich, mit der Unausgelastetheit - und freute mich auf wildes Surfen.

Das ist jetzt etwa 3 Wochen her. Hab schon läuten hören, sie spricht schon wieder davon und sucht nach neuen Aufgaben für mich. Zugegeben, in meinem Fall hat sie mehr als Recht, aber ich merke auch, dass es sich nicht um das Ergebnis ihrer aufmerksamen Beobachtung oder dergleichen handelt, sondern dass ihr, wer nicht offensichtlich vor Tatendrang birst, unausgelastet erscheint. Jewgeni beispielsweise, der permanent die Fresse offen hat, bei seinen ständigen Telefonaten den nötigen Geräuschpegel eines Großraumbüros sprengt, sprengt und immer nur sprengt, weiß ganz genau wie er ihr ausgelastet erscheint. Er telefoniert nicht im Sitzen, er geht dabei wild auf und ab, ein Gehen, das an Rennen grenzt, wahrscheinlich ist er deshalb dem Sicherheitsbeauftragten der Abteilung ein Dorn im Auge, ich weiß es nicht. Ich sehe ihn oft, den schroffen, aufdringlichen, aber irgendwie handlich-süßen, irgendwie dennoch ertragbaren Russen, wie er seinen geschäftig wirkenden Gang während seiner Telefonate in Ermangelung eines Ziele abrupt abbricht und Haken schlägt wie ein Hase. Eigentlich ist es sehr lustig, bedenkt man, dass er sich hiermit schon die Teamleiterin vom Hals zu halten schafft. Die Kollegen witzeln eh, sie sei nur in der Position wegen der geforderten Frauenquote, können tue sie nichts. Tja, die Wahrheit wird wieder mal eine Mischung aus so einigem sein, nicht zuletzt auch der Interaktion des kollektiv verletzten männlichen Stolzes, der natürlich unausgesprochen geblieben ist.

Aber die Alte hat schon auch ihren Hau. Telefoniert selbst den ganzen Tag, und man muss nicht indiskret nahe ran gehen oder konzentriert lauschen um den oft privaten und meist, das ist auch so eine Kategorie, halbprivaten Inhalt ihrer Gespräche zu identifizieren. Sie nennt es Lobbying. Im Grunde grandios, deshalb werd ich es mir merken.

Das alles aber ist dermaßen trivial und alltäglich, dass es in einem edle Themen zu transportieren beauftragten Blog wie dem meinen nicht das Mindeste verloren hat.
3.12.09 09:36
 


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