raus aus dem alter

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Mich interessieren nur noch die Settings. Er, er und sie im Fahrstuhl, dann Stromausfall und Testosteron, zum Beispiel. Das reicht völlig. Ich brauch keine Story, keine Entwicklung, will nicht wissen wie das Buch, der Film ausgeht. Alle Entwicklungen sind ja ohnehin klar. Die eine ist eben unwahrscheinlich, die nächste langatmig, manch eine ist innovativ oder von mir aus fesselnd. Vor allem gibt es aber zu jeder Variante zahlreiche Medienexperten, die das zugehörige Einspielergebnis bzw. die Verkaufszahlen im Voraus richtig einschätzen können.

Nur die Settings. Reichen völlig aus. Nicht diese Phantasterei - "Es hat einen Zauber..!" - und auch nicht dieses Pseudoreale. Nur: Leute, in einer Situation, und irgendetwas Übergeordnetes. Also: Rothaarige englische Austauschschülerin in Lederjacke in der S-Bahn, gegenüber einer, dem man die versäumten Chancen ansieht. Aus. Kann ja nur schlechter werden.

Obwohl das nicht ganz stimmt. Wenn jetzt alles passt, kann es besser werden, es passt halt nur meist nicht alles. Falscher Blick, falscher Satz, schon kann mir die Narration gestohlen bleiben. Ich denk grad, war vielleicht immer schon so bei mir. Vielleicht kenn ich nämlich deshalb keine Bibelgeschichten. Denn hey - grandiose Settings gibt es da zweifellos. Nur hat die Geschichten dann eben ein Pfarrer erzählt, und schon konnte man es vergessen. Völlig uninspiriert, nur auf das Gewissen abziehlend. Oder wie ich es damals einen Mann zu einem anderen sagen hörte: Geist hat er nicht, er hat (dabei macht er die Verrückten-Handschraube an der Schläfe hebt etwas die Stimme) heiligen Geist.

Tarantino zum Beispiel - im Moment fällt mir echt niemand anderes ein, was aber eine Aussage über mich, nicht über Filmschaffende ist - erzählt fesselnd. Geistreich. Begeistert. Der ist natürlich auch ein Freak, aber bei ihm will ich wenigstens wissen wie es ausgeht. Vielleicht verarscht der gewiefte Hund mich aber nach Strich und Faden und packt einfach nur Setting hinter Setting hinter Setting.
16.1.14 19:26


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Katrin S. stellt sich vor mit den Worten: "Hallo. Katrin. Hausfrau und Mutter." Dann lacht sie künstlich verlegen, als sei sie peinlich berührt. Es soll irgendwie witzig klingen, es klingt jedoch schier abfällig, als sei es ihr irgendwie peinlich. 30 Jahre Emanzipation uns alles was ich zustande gebracht habe ist gebären. Was für ein Verrat am eigenen Geschlecht.

Katrin S. hatte zum Zeitpunkt der Schwangerschaft bereits 7 Jahre lang promoviert, Kunstgeschichte, detailverliebte Gespräche, alles kann richtig und falsch zugleich sein. Der ältere Sohn ist jetzt 4, die Promotion noch längst nicht fertig, denn der Job als Hausfrau und Mutter frisst einen auf. Die Kinder bringt ihr berufstätiger Mann zum Kindergarten, nach dem Frühstück hat sie also Zeit für den Haushalt. Die S.ens beschäftigen aber zwei Putzfrauen, welche sich abwechseln, und die Rechnung ist einfach: Man verdiene ja in der gleichen Zeit mehr als eine Putzfrau koste! Ok, noch nicht, aber bald, nach der Promotion!

Katrin S. kommt eigentlich aus Berlin, wo man so richtig modern lebt. Ihr Mann ist als Volkswirt nicht annähernd so universell einsetzbar wie die beiden es sich selbst und anderen einzureden versuchen, denn dann wären sie nicht in dem fränkischen Käffchen Würzburg geblieben sondern schön in die Metropole gegangen, wo man so gebildete Menschen wie sie brauchen kann, um ein kleines Rädchen im Getriebe des Kulturbetriebs zu drehen. Und damit das Leben von morgen zu erfinden. Aber ihr Mann hatte eben das nötige Glück, zur günstigen Zeit ohne Konkurrenz gewesen zu sein, was ihn gegen jedes physikalische Gesetz eine Stufe auf der Karriereleiter nach oben geschwemmt hat, und jede Veränderung wäre jetzt ein ökonomisch nicht zu vertretender Rückschritt - gerade wenn die Frau eben nur ein bisschen Kunstgeschichte kann und weder putzt noch kocht. Zum Eingewöhnen des jüngeren Sohnes in der Krippe muss der Vater 10 Tage Urlaub nehmen. Das läuft im Detail so: Man legt den Zweijährigen ab, entfernt sich so lange Zehenspitze für Zehenspitze bis der Kleine zu Krächzen beginnt und kommt dann eilig gelaufen um jedem etwaigen Trauma die Luft aus den Segeln zu trösten. Nach 10 Tagen kann man dann so lange weg bleiben, dass man zwischendurch arbeiten gehen kann - während die Frau sich - aber intensiv - mit Kustgeschichte befasst.

Katrin S. ruft ihren Mann mehrfach täglich auf der Arbeit an, um sich über die Söhne zu beklagen. Das Mobiltelefon ihres Mannes ist recht laut eingestellt und er geht auch während kleinerer Besprechungen mit seinen Mitarbeitern ran, weil Katrin S. ihm das sonst übel nimmt. Die Mitarbeiter hören die Frau ihres Chefs dann statt einer Begrüßung "Die nerven." sagen und sehen sich besorgt an. Es kann jetzt nämlich passieren, dass Katrin S.ens Mann den Arbeitstag beenden muss um nach Hause zu fahren, sich um die Kinder zu kümmern. Einmal hatte der ältere Sohn eine Zecke, schon saß Katrin S.ens Mann im Auto. Rettung nahte. Sie scheute wohl die Fahrt mit dem ÖPNV zum Arzt, mit zwei nervenden Söhnen und zuhause auf dem Schreibtisch die fast fertige Doktorarbeit.
5.10.13 13:10


Aus dem Fenster eines Kämmerleins hatte ich den kleinen, stämmigen Waldarbeiter ja schon beim Mord machen beobachtet. Die Erinnerung spuckt aus: Sein Opfer wird völlig überrascht von seiner pragmatischen Kaltblütigkeit, mit der er gemeinhin Bäume fällt, und nun eben auch Menschen. Er tut es ohne zögern, wie ein Metzger das Schwein in die Wurst tut.
Die Erinnerung verwehrt: Die Mordwaffe und das Motiv.

Wir finden also einen Scheck über 2.400 EUR und freuen uns gütlich. Die drei Gebäude des Einsiedlerhofs liegen gemächlich auf einer abschüssigen Lichtung. Die Sonne fällt durchs Fenster aufs Bett, aus dem E. Ideen wirft, was mit ihrer Hälfte anzufangen sei. Ein Motorengeräusch taucht aus dem Wald auf, wir erwarten keinen Besuch und sehen uns verwundert an. Mehr aus dem Bauch denn einer Vorahnung folgend verstecke ich den Scheck und gehe zum Fenster. Ein waldgründer Subaru 4x4 hält einige Meter entfernt und als ich sehe, wer aussteigt, erstarre ich vor Angst. Der Waldarbeiter öffnet ohne jeden Blick über Hof oder Wald den Kofferraum seines Fahrzeugs und nimmt sein Werkzeug bei der Hand. Ich fasse mir grade noch rechtzeitig ein Herz und schiebe mich hinter den Vorhang, bevor er mich im Blickwinkel wahrnehmen muss. Man hört ihn übers Kies losgehen, quer zum Haus passiert er den Hof. Mit zwei, drei flinken Sätzen bin ich an der Tür und lege den Riegel leise vor. Sie verfügt nicht über ein Schloss, einen Mörder hält sie sicher nicht. Mein Blick zu E.: Sie versteht nicht warum, aber dass Ruhe sein muss. Seine Schritte sind inzwischen nicht mehr zu hören, ich schleiche zum anderen Fenster und erspähe ihn am anderen Ende der Lichtung, wo er sein Werkzeug vor einer Tanne ablegt und die Hände in die Hüften stemmt, um nach dem Wipfel auszuschauen. Das ist Möglichkeit, denke ich, so leis als möglich E. in Kenntnis zu setzen, dass ein Mörder und umschleicht. Gerade da fährt er herum, den Blick direkt in mich gebohrt. Mit einem Satz bin ich zur Seite, und weiß nicht ob er mich gesehen hat. Die ganze Zeit hoffe ich, dass E. nichts sagt. Er kommt aufs Haus zu, man hörts am Kies. Gleich muss er an der Tür sein. E. und ich sehen uns an. Die Schritte werden wieder leiser, wir wissen es nicht zu deuten. Kaum können wir atmen, die Halsschlagader pocht, wir ersehnen uns nur den Motor des Subaru anspringen zu hören. Das waren 20 Meter, und sicherlich spiegelt das Fenster - vielleicht hat er mich ja gar nicht gesehen? Es klopft.

Über der wackligen Tür ist ein einscheibiges Fensterlein angebracht. Ich stelle mich auf die Fußballen und gucke hindurch. Der kleine Mann mit der Halbglatze sieht konzentriert zu mir hoch und er benötigt nicht die kleinste Mimik, mir das Öffnen zu verordnen. Ich lege den Riegel zur Seite und meine Angst betrifft E. - sie weiß nicht, was da für einer steht. Was, wenn sie irgendeines ihrer Rechte einfordert? Der schlägt uns tot.

Die Tür ist auf und ich stehe ihm Gegenüber. In seiner Hand hält er ein Stück Holz, durch dessen Ende ein Zimmermannsnagel geschlagen ist. Er sagt:

Ich bin e'n Amt.

Und macht einen kleinen Schritt auf mich zu. Dann:

Was will e'n Amt?

Noch ein kleiner Schritt. Immer noch Blickkontakt:

So viel Geld wie möglich.

Ich gebe zu, wir haben einen Scheck und den könnt er gerne haben. Er tritt ein und schließt die Tür. Die Erinnerung verweht: Das Versteck des Schecks.
8.8.12 21:27


"Herr Weiß, gehen Sie essen?"

"Ja..."

"Dann geh ich mit!"

"....ssssSUPER!!"
3.12.09 12:07


Und einmal, das war der WM-Sommer, ich torkelte monatelang selig von Rausch zu Rausch, hatte junge Menschen um mich, die lachen wollten und sich nicht für die Erfinder des Rades hielten, da kam es, dass ich eine völlig substanzlose Intimitätsminute bekam, wie sie mir ganz unvergleichlich in Erinnerung geblieben ist.

Lora, die recht hübsche, vor allem aber umgängliche Freundin Lenzens, erhob sich zufällig im selben Moment wie ich vom Trinktisch, mit auch noch derselben Absicht, die aufgestauten Harne in ein Wasser zu seichen. So machten wir uns gemeinsam auf den Weg durch das Pulk Fußballbegeisterter, die in Wahrheit gar nicht von Fußball, nur von sich selbst oder besser: einer Ahnung eines in der Realität nicht existenten sie selbtes begeistert waren (aber das ist schon zu wertend), durch die gingen wir also durch. Ich schaffte die Gasse, sie folgte. Unser Weg führte uns einige Stiegen hinauf, das Pulk hinter uns zu lassen, und dann in eine Halle hinein und durch diese hindurch, die wohl deswegen leer war, weil erstens das Wetter alles zum Konsum nach draußen lockte und zweitens einige Tische für eine Abendveranstaltung eingedeckt waren. Tja, und kurz vor dem Klo standen da dann diese Kühlschränke, aus denen des Abends wohl Alkoholika ans dämlich gesoffene Volk verkauft werden sollten, und sie waren erstens voll mit Sprit und zweitens herrlich unabgeschlossen. Mich kitzelte es sofort in den Fingern und ich teilte ihr meine Diebesgeilheit mit. Lora selbst hatte sofort die selbe Idee, weshalb wir einen Augenblick heimlicher Verbündung erfuhren, als wir zur Tat schritten. Ich hatte schon eine Flasche Moët (oder so) in der Hand, da fiel mir ein, dass der Diebstahl auf dem Rückweg sinnvoller wäre, so könne man wenigstens in Ruhe pissen. Ja, meinte sie, sie pisse auch gern in Ruhe, und so stellte ich den Cabernet Sauvignon (oder auch so) leise und schnell zurück und wir machten uns zu den Aborten, was in seiner Doppeldeutigkeit ein verzichtenswertes Wort ist. Wir machten uns... zu den 00's. Die Klotür der Damen war abgesperrt, weshalb ich meine eben ja zur Verbündeten gewordene ungehemmt zum Schiffen im Herrenhaus einlud, waren wir ja unter uns. Sie nahm damenhaft an und nickte mir zu als sei ich ihr Bediensteter. Ich grinste und wies ihr, aus irgendeinem Gefühl von Anstand heraus, das allererste Häuschen und nahm selbst, führ sie wahrnehmbar, das allerletzte Häuschen. So taten wirs dann doch wenigstens mit knappen 10 Metern Luftweg. Nur spielte uns da die Anatomie der Möse an sich einen Streich. Während ich ja meinen Pimmel eh den einen oder anderen Zentimeter in die Schüssel hänge, die Urinfallhöhe damit bis zur Geräuschlosigkeit senke und darüber hinaus den Strahl mittels Schlauch auch noch in die leiseren Ecklein lenken kann, pisst das arme Weib stets im rechten Winkel aufs Keramik, was die maximale Soundausbeute aus der Klangmuschel zaubert. So saßen wir also da, sie vergeben, ich versoffen, diebische Geschwister im Geiste, und hörten ihr beim Pissen zu als stünden wir an den Niagaras. Ein heiliger Moment für mich, auch wenn ich ahnte, er sei ihr unsäglich peinlich. Mir schoß durch den Kopf, wie der gelbe Saft aus dem kleinen Löchlein spritzte und die Schamlippen striff, wie die Schamlippen ihn teilweise ablenkten und seine äußersten Tropfen womöglich an ihre Schenkelwurzeln spritzten oder in das Schamhaar und sich dort einnisteten, bis sie entweder abtropften und wie kleine Kamikazepiloten aus der Mösenperipherie heraus und ins Nirwana hinab schossen oder aber vom rauhen Recyclingpapier fortgewischt werden sollten, sofern sie ihre Scham nicht Lenz zuliebe oder irgendeiner anderen irregeführten Ästhetik halber zu einer Fotzenvollglatze rasiert hatte. Auf jeden Fall wars wunderbar, auch wenn es hier nicht um Begehren geht, falls das jemand so gelesen haben mag. Es ging ums Pissen, das alltägliche Pissen, und dass das alltägliche Pissen etwas mit uns anstellte.

Naja, wir wuschen uns dann die Hände, klauten die Flasche und erzählten den anderen von den damit verbundenen Aufregungen, behielten alle weiteren Aufregungen für uns und schlüften später, auf dem Weg in eine Nacht aus Lichtern, Kneipen, Tanz und Suff, den Sekt in einem Zug (dem Transportmittel) aus. Sie wird ihm sicher noch davon erzählt haben, aber Lenz hat es mir gegenüber nie erwähnt.

Pissen hab ich natürlich noch öfter Mädchen gehört, heimliche, leise Strählchen hinter Schiebetüren in dünnwandigen, engen Hotelzimmern gaben sie von sich, oder laute und forsche, schier aufdringliche, wo-ist-der-brand-den-ich-auspissen-soll-schreiende Urinfälle bei offener Scheißhaustür - aber den Moment mit Lora hat nichts davon erreicht. Ehrlich gesagt, es war zumeist trivial und manchmal... geradezu ekelhaft.
3.12.09 10:39


Unausgelastet, fand sie, sei ich, weil sie mich zweimal am selben Tag im Internet surfend erwischte. Eigentlich müsste man "sah" sagen, denn ich tat es nicht mit dem leisesten Hauch schlechten Gewissens; surfe ich hier doch mehr denn ich arbeite. Aber aus ihrer Sicht muss es sich um "erwischen" gehandelt haben, denn gleich setzte sie Hebel, wenn auch erstmal nur die kleineren, in Bewegung: Rückmeldung mit meinem "Betreuer", wie es nicht nur bei Schwerstbehinderten, Demenzkranken und Kindern, nein, auch bei Praktikanten heisst, und eben dann die Ansage, dass da jetzt mal eine Zwischenpräsentation her muss.

Die hab ich vorbereitet, hab sie gehalten und erntete in erster Linie Anerkennung, in seinem Ausmaß dann doch zu meinem Erstaunen. Der Betreuer meinte, es sei jetzt schon mehr als erwartet. Innerlich hab ich laut gelacht. Der Beisitzer meinte, was das doch für edle Folien seien, wie wundervoll ich zu präsentieren vermöge, welch extratechnosphärischen Wortschatz ich da abzurufen wisse. Das war mir schon fast zu viel Schleim. Und die Teamleiterin, nun ja, bemerkte eben "einige Dinge als verbesserungsfähig, aber auch -würdig", wovon ich jede einzelne völlig übertrieben dankbar annahm, aber auch sie schaffte nicht, eine gewisse Zufriedenheit zu verstecken. Damit wars das, dachte ich, mit der Unausgelastetheit - und freute mich auf wildes Surfen.

Das ist jetzt etwa 3 Wochen her. Hab schon läuten hören, sie spricht schon wieder davon und sucht nach neuen Aufgaben für mich. Zugegeben, in meinem Fall hat sie mehr als Recht, aber ich merke auch, dass es sich nicht um das Ergebnis ihrer aufmerksamen Beobachtung oder dergleichen handelt, sondern dass ihr, wer nicht offensichtlich vor Tatendrang birst, unausgelastet erscheint. Jewgeni beispielsweise, der permanent die Fresse offen hat, bei seinen ständigen Telefonaten den nötigen Geräuschpegel eines Großraumbüros sprengt, sprengt und immer nur sprengt, weiß ganz genau wie er ihr ausgelastet erscheint. Er telefoniert nicht im Sitzen, er geht dabei wild auf und ab, ein Gehen, das an Rennen grenzt, wahrscheinlich ist er deshalb dem Sicherheitsbeauftragten der Abteilung ein Dorn im Auge, ich weiß es nicht. Ich sehe ihn oft, den schroffen, aufdringlichen, aber irgendwie handlich-süßen, irgendwie dennoch ertragbaren Russen, wie er seinen geschäftig wirkenden Gang während seiner Telefonate in Ermangelung eines Ziele abrupt abbricht und Haken schlägt wie ein Hase. Eigentlich ist es sehr lustig, bedenkt man, dass er sich hiermit schon die Teamleiterin vom Hals zu halten schafft. Die Kollegen witzeln eh, sie sei nur in der Position wegen der geforderten Frauenquote, können tue sie nichts. Tja, die Wahrheit wird wieder mal eine Mischung aus so einigem sein, nicht zuletzt auch der Interaktion des kollektiv verletzten männlichen Stolzes, der natürlich unausgesprochen geblieben ist.

Aber die Alte hat schon auch ihren Hau. Telefoniert selbst den ganzen Tag, und man muss nicht indiskret nahe ran gehen oder konzentriert lauschen um den oft privaten und meist, das ist auch so eine Kategorie, halbprivaten Inhalt ihrer Gespräche zu identifizieren. Sie nennt es Lobbying. Im Grunde grandios, deshalb werd ich es mir merken.

Das alles aber ist dermaßen trivial und alltäglich, dass es in einem edle Themen zu transportieren beauftragten Blog wie dem meinen nicht das Mindeste verloren hat.
3.12.09 09:36


Teamleiterin hat spitz gekriegt, dass ich "nicht ausgelastet" bin.

Mal sehen, was das jetzt heisst.
28.10.09 12:50


Alles klebt. Der Körper, den ich zu lange der Sonne ausgesetzt habe, die Küche, die durch Renovierungsarbeiten ihren Küchencharakter an ein ungepflegtes Lagerdasein verloren hat, und die Worte, die D. und C., und auch L. mir, aus Enttäuschung über mein Verhalten angeblich, nachgeworfen haben. Der Wunsch nach Sauberkeit, äußerer wie auch innerer, verweigert mir jegliche Entspanntheit; ich werde folgendes tun müssen: Erst werde ich die halb gepackten Kartons und allen Unrat in meiner Kammer in eine erträgliche Form schieben müssen, die lose herumliegenden Klamotten, Papiere, Bücher, Beutel und Kabel so ordnungsähnlich als möglich positionieren und vielleicht sogar kurz durchsaugen, wie es gern verniedlichend ausgedrückt wird. Dann gehört dem benutzten Geschirr jegliche Verkrustung abgespült und der Tisch muss zurück in die Küche; was ist eine Küche ohne Tisch? Nachdem daraufhin der Flur gewischt worden ist, bedarf der Körper selbst einer gründlichen Waschung.

Folgte ich diesem Plan Schritt für Schritt, wäre ein angenehmer Ausklang des Tages, ohne weitere geistige oder körperliche Beschäftigung mit all den dringenden und stetig dringender werdenden Belangen des Umzugs: drin. Jedoch: Bevor Schritt 1 angepackt werden kann, muss, und darüber werde ich mich nicht hinwegzusetzen schaffen, der sich über Monate angesammelte Papierkram in die jeweiligen Ordner sortiert werden; und da haben wir das Problem: Das ist vollkommen undenkbar. Also werde ich weiterhin von Webpage zu Webpage springen, ohne jedwede Information zu erhalten oder gar zu suchen, ab und an eine Zigarette rauchen, um den Hunger nicht zu spüren, den ich problemlos stillen könnte, wofür ich aber in die Küche müsste, die keine Küche mehr ist, hie und da vom Bildschirm aufblicken und die Arbeit nicht zu sehen mich zwingen, und einfach nur herumliegen. Wie Fleisch, das in der Sonne fault. Und furchtbar klebt. Ich wünsche mir schwarze Frauenbeine, die sich um meinen Hals schlingen und den Urwaldgestank einer pink Möse in mein Gesicht wolken.
12.5.08 19:12


Wieder hat mich die Perfidie jener Ungesagtheiten eingeholt und die Sehnsucht nach (wahrscheinlich) Schreien und nach alles aussprechen können innerlich aufgerauht. Ich kann aber nicht alles aussprechen, dazu weiß ich zu wenig und will auch weiterhin zu wenig wissen, und dem Schreien gestehe ich sowieso kein Besserungspotenzial zu; alle Welt schreit.

Vielleicht, dachte ich dann, sollte ich alle Welt mal sprechen. M., zum Beispiel, sie kennt eh nichts anderes als diesen Zustand, und auch ist mir bewusst, was sie mir (noch immer) geben kann solange ich nur stand halte. Ich hab ohnehin wieder von ihr geträumt. Ich verbrannte mir die Lider des rechten Auges in heißem Plastik – (Schuld war irgendwer) –, beim erschreckten Zurückweichen zog das Plastik dünne Fäden und erstarrte mir zu langen Lidern. Isoliert bat ich M., mir zu helfen und wir begaben uns, sie sehr unwillig, auf eine (soweit ich erinnere: erfolglose) Suche nach einer Schere, die uns an jene Plätze führte, an denen wir uns seit unserer gemeinsamen Zeit das Leben weiter verschnitten hatten. Und obwohl ich sie zu gut kenne und einiges an ihr deshalb meine Abscheu erregt – ich werde wohl nie verstehen, was ich in ihr bin und warum die überhaupt selten gewordene Erinnerung an sie nicht aufhört, neben der Abscheu eben auch mein Begehren zu erregen. Und warum ich nicht anfangen kann, Andere, auch die besseren unter den Anderen, zu begehren. Von Liebe redet ja kein Mensch.

Der Verstand also klammert sich um das berstende Fass und die kleineren Finger sind allesamt schon abgerutscht. Ich kann das totschweigen, da bin ich ganz sicher, und den Druck senken. Ich schaff das. Die Ungesagtheiten sind gesagt schließlich noch schwerer zu ertragen und exakt treffen würde ich sie darüber hinaus nicht. Nur, da schlummert diese schiere Gewissheit um mich herum: Das Fass steckt nur im nächst größeren.
23.4.08 13:54


Gruppengewäsch

Der Neueinstieg in eine bestehende Gruppe, ob er nun gewollt ist oder auferlegt, birgt immer auch die Notwendigkeiten, ein bisschen sich selbst zu verraten und gleichzeitig Verräter zu schützen. Man muss nett genug sein, um überhaupt erst Einlass in die Gruppe zu bekommen und abweisend genug, um später nicht der signalisierten Nettigkeit wegen denunziert oder gar ausgenutzt zu werden. Am Anfang hängen sich die Gruppenarschlöcher an einen, in der Hoffnung, ihre Position wenn nicht zu stärken, so doch zumindest besser zu legitimieren. Die Gruppenführer können sich derweil entspannt zurücklehnen und zusehen, wie der Neueinsteiger diese ersten Hürden nimmt, sie können genießen, wie er sich stärker offenbaren muss als es ihm lieb ist, und abwägen, ob sie ihm ihre weitere Aufmerksamkeit schenken wollen oder ob sie ihn, um nun der Gruppe weitere Arschlöcher zu ersparen oder aus weitsichtiger Sorge um die eigene Position, frühzeitig untergraben werden.

Mein erster Tag lief gut. Ich hatte Andrea kennen gelernt, das Gruppenarschloch, Giorgio, den dicklichen Charlie-Brown-Verschnitt mit den Knopfaugen und etwas belustigenden Gruppenführerambitionen und Emanuele – den tatsächlichen Anführer, einen dürren Typen mit der Ausstrahlung eines klamaukfreien Roberto Benigni. In den folgenden Tagen kam noch Pasquale dazu, ein sich ständig an Emanuele schmusender und Giorgio damit immer wieder zu eifersüchtiger Raserei treibender Nachbarsjunge-Typ. Giorgio und Pasquale vertrugen sich nur in jenen Situation gut, in denen die beiden gemeinsame, aber nicht ganz ernst zu nehmende Putschversuche gegen Emanuele durchführten – und, wenn alle drei sich als Triumvirat fühlten und Andrea, das Gruppenarschloch, niedermachten. Anfangs hielt ich es für Pech, dass Andrea etwas Deutsch sprach und deshalb stärker als ein gewöhnliches Gruppenarschloch meine Nähe suchte, aber bald stellte es sich als Glück heraus, denn er war, wie jedes Gruppenarschloch, dienlich, mich gut aussehen zu lassen und in die Gruppe einzuführen und verließ dann sehr bald die Gruppe wegen eines längeren Aufenthaltes in Portugal, was mir jene ungerechte Phase ersparte, in der ich ebenfalls hätte anfangen müssen, ihn seiner ängstlichen Körpersprache und Sprechweise wegen der Lächerlichkeit preiszugeben und dabei den traurigen Blick eines enttäuschten Köters ertragen zu müssen. Bald also akzeptierten mich Emanuele als einen temporär Seinesgleichen, Giorgio und Pasquale als einen von Emanuele Akzeptierten. Und alle ließen wir uns über die Erbärmlichkeit eines Andrea aus, der mir seiner Abwesenheit wegen nicht einmal leid tun musste. Als Andrea mich in den ersten Tagen mit den unglücklich gewählten Worten „Willst Du mit mir gehen…?“ auf einen Kaffee einladen wollte, entschied sich für mich endgültig, dass ich nicht meine dünne Reputation zur Stärkung der seinen aufgeben würde – auch wenn ich ohnehin nur ein temporäres Gruppenmitglied sein würde. Irgendwie ist ein Gruppenmitglied sowieso immer ein temporäres, da sollte man sich nichts vormachen. Am Ende steht man immer allein mit sich da und muss auch nur vor sich allein verantworten, wen man weshalb und wie ans Messer der psychologischen Hirnverbranntheiten geliefert hat. Zum Moralphilosophen bin ich jedenfalls nicht geboren - mir ist nur wichtig, nicht das Gruppenarschloch zu sein.

Als ich meinen Grundwehrdienst abzuleisten hatte, steckten sie mich wie jeden anderen für eine 2-monatige „Grundausbildung“ in eine ca. 30-köpfige Gruppe, die, das imponiert mir heute noch, mittels psychologischen Druckes durch die einzelnen Führer, innerhalb weniger Tage zu einem einigermaßen funktionierenden, sich miteinander identifizierenden und sogar füreinander einstehenden Zug formieren ließ. Es gibt für mich keinen Zweifel mehr, dass mit dem entsprechenden Führungsstil, der die entsprechenden Notwendigkeiten suggerieren muss, jede Gruppe zu jeder Tat bewegt werden kann und sogar die Verarbeitung der Taten durch die einzelnen Mitglieder auch nach dem Zerfall der Gruppe verhindert werden kann. Selbstverständlich gab es auch hier ein Gruppenarschloch: Kanonier Dürrkoop. Der arme Junge, dessen grobmotorischen Fähigkeiten, man mag es glauben oder nicht, leider nicht einmal zum Schlagen eines Purzelbaums ausreichend ausgebildet waren, las, und damit hatte er vom ersten Tag an auf ganzer Linie verloren, Konsalik-Romane. Während Dürrkoop also, sich wie ein Vollidiot bewegend, von Liebe unter Palmen tagträumte, instrumentalisierten die Fahnenjunker Müller und Quellmann ihn zum Bindeglied für die Gruppe: Kanonier Dürrkoop, führen se ma soldatisches Gleiten vor! Nochmaaaaal! Und jetzt nochmaaaaal! Können se nich gleiten, Dürrkoop? Denn machen se eben ne Pirouette. Sehen se, so is schön. Und spreizen se das kleene Fingerchen ab, Dürrkoop. Hat ma eener nen Rock für die Kanonierin? Nachdem allerdings die Versuche, eine erste, schnelle Gruppenidentität mittels der Schaffung einer gemeinsamen Gelächterfigur zu kreieren, Früchte trugen, gingen die Ausbilder zur gegenteiligen Position über und bestraften jene, die beim Auslachen Dürrkoops erwischt wurden. Die frisch mit einer Identität versehene Gruppe verliert allerdings, wie man vielleicht zu denken versucht ist, dadurch nicht selbige, sondern das Küken Gruppe wächst sich aus zum Hahn und beginnt, stolz auf dem Exerzierplatz auf- und abzumarschieren. Reibereien zwischen Gruppenmitgliedern erreichen keine die Gruppe gefährdende Tiefe mehr und die Armee verfügt theoretisch über einen neuen Kampfverband – der jetzt nur noch lernen muss zu kämpfen. Und man selbst sitzt inmitten dieses erprobten Menschenversuchs und weiß, dass man mit jedem Wort und jeder Handlung die Entwicklung in die gewünschte Richtung mittreibt und kann sich nur dafür oder dagegen entscheiden. Sich dafür zu entscheiden, bedeutet letztlich nichts. Sich dagegen zu entscheiden, bedeutet nicht wirklich teilzuhaben. Und vielleicht bedeutet es auch, das Zeug zum Schriftsteller zu haben; von der Notwendigkeit eines Talents mal ganz abgesehen.
19.3.08 09:06


Ruth

Endlich weiß ich, warum ich Ruth nicht nahe kommen konnte. Die ganze Zeit über, als sie mit mir am Hafen saß in Lindau und ihr zu hellblau geratenes Kleid bedächtig auf Bedeckung ihrer Knie überprüfte, befahl mir mein Kopf, ihr näher zu rücken und unsere Blicke auf den See einander gleich und gleicher werden zu lassen und dennoch - konnte ich es nicht. Wir saßen über einen Meter auseinander und ich sehnte mich nach ihrer Haut und wollte ihren Geruch erobern, aber etwas hielt und hielt mich zurück und es war keine Angst, nicht die Furcht vor Zurückweisung oder vor herausgenommenen Schwachheiten, es war und wäre heute wieder die Gewissheit, ihre Leichtigkeit und Reinheit nicht hinnehmen zu können. Ohne es wirklich ausdenken zu können, ließ ich mich von dem unbestimmten Gefühl hemmen, dass ich, passte ich nur einen winzigen Moment nicht auf mich und die sorgfältige Abwägung jedes meinem Mund entfliehenden Wortes auf, ihr mit nüchternster Sachlichkeit das Weltbild zu zerhämmern versuchen würde. Was war ich für ein festgeschnürter Kahn.

Der Graben, und ich zweifle nicht einmal daran, dass wir beide ihn gern überwunden hätten, zog sich auch durch unsere sich erst in ihrer Bildung befindliche Gesprächskultur. Ich verweigerte mich weitsichtig jeglicher thematischen Ernsthaftigkeit und meisterte dabei, das darf ich mir anrechnen, den schmalen Grad, der mich in die Peinlichkeit eines Kaspers hätte fallen lassen wollen. Intelligent und zeitweise sogar extrovertiert mimte ich mich schlängelnd durch das verminte Gebiet zwischen uns, dabei aber nicht – darum konnte es nicht gehen – direkt auf sie zu, sondern vielmehr um sie herum und über sie und unter ihr hinweg; Deshalb behielt unser Treffen und auch unsere weiterhin stattfindende Kommunikation auch stets jenen Spielcharakter, den man leichtfüßig und sogar unbeschwert nennen dürfte, der aber dennoch eine Heuchelei meinerseits war und blieb. Ich bin nicht unbeschwert, ganz und gar nicht. Ich bin ein ambossenes Herz.

Einmal wurde ich während unserer Stunden aber auch schwach. Als dann nämlich, nachts, ihr Kleid nicht länger die Knie bedeckte und auch körperaufwärts der Offenbarung dienlich wurde, wollte ich den uns schützenden, vielmehr mich schützenden Graben doch überwinden und ihres Odeurs habhaft werden, ihrer Wärme anheim fallen, ihrer Bisse Opfer sein. Wir lagen im Dunkel, stoisch auf den Rücken, aus Platzmangel nah beieinander, und erwarteten den Schlaf, wobei ihre Geduld einer wesentlich kleineren Bewährungsprobe ausgesetzt war als meine. Erst als ihr Atem längst lang geworden war und ihrem Rachen leise, biberhafte Entspannungslaute entfuhren, senkte sich mein einsames Glied wieder auf die Bauchdecke ab und ermöglichte es mir, mich auf mich zurückzuziehen: In die Umnachtung, in den Schlaf.
4.3.08 14:58


Zum Häufchen zerplatzt: wir


Zeitkörner kauend -
Schattenluft werfend,
Luftschattenwurf. Lauer Wind.
Man sieht mich, ich parke im Stand.

Ich bin imstand
im Park zu atmen:
Schatten, die du warfst.
Bin immer noch imstand.

Man sieht mich, Vandale,
uns in Zypressen ritzen (Thujaträumerei),
Froschlaich auf dich taufen.
Ich bin Eifer und geschwind.

Man sieht mich
imstand immer noch im Park.
Auf der Suche nach Zeit hinterm Wind.
20.7.07 08:16


Es ist schon die Frage, ob es die viel gescholtene Verstörung der Menschheit und ihre Ansteckungs- und Vereinnahmungsgefahr tatsächlich gibt, oder ob es sich dabei nur um die Interpretation des Umstandes handelt, nicht in jemandes anderen Haut, jemandes anderen Bauch zu können.
Kurz gefragt: Kann etwas, das sich (frei von Selbstbetrug) richtig anfühlt, falsch sein?
Die Vermutung liegt halt einfach nahe, dass es viele gefühlte Richtigs gibt, die sich für andere falsch anfühlen würden.
Ich bemerke: Ich überschätze immer noch die Menschheit. Und das, obwohl ich einzelne Menschen schnell unterschätze. Das erste begründet sich darin, dass ich den Fehler begehe, von mir auf andere zu schließen. Das zweite ist ein eitler Verstand, der zwischen sich und den anderen keine Vergleichbarkeit findet.
9.7.07 18:23


Es gibt da diese Humorvariante, die zum größten Teil zu meiden ist: Das Auslachen anderer. Dieser Humor achtet das Potential der Entwicklungsfähigkeit des Belachten zu gering und schmälert dieses deshalb – weshalb man auch von ihm innewohnender Niedertracht sprechen darf. Auslachen ist Ausblendung des Faktors Zeit und aus diesem Grund realitätsfern kurzfristig.
Nichtsdestotrotz kennt die Ungeschicklicht der Menschen sowie die Ausrutschbereitschaft der Natur in die Hässlichkeit keine Grenzen und so wird diese Ausblendung des Zeitfaktors ab und an dann doch vertretbar. Meine Fresse.
Im Übrigen macht man es bei Genusssachen auch nicht anders.
9.7.07 18:23


check die metaphorik.

wenn du dich wirklich zusammenraffst,
und dich zwingst,
und etwas packst und nicht aufhörst,
du weiterpackst und -packst,
aber
dich dabei immer und immer wieder
fragen musst
wofür eigentlich packe ich das? für
wen oder was oder
wem oder was und für
wessen?
und wenn du keine antwort hast als irgendwas
muss man ja machen, man kann ja nicht
nichts machen und
erwarten, dass alles gut wird
dann ist dein ganzes packen
der koffer ins jenseits.
20.6.07 06:59


Dann war da Hélêne. Accents wieauchimmer. Sie hatte lila Flügel auf den Unterbauch tätowiert und ich fragte: „Was sind das für Fotzlappen?“. Ihre Briefe trieften vor Fehlern, inhaltlich. Sie beschrieb Dinge, die in Wahrheit anderes gewesen waren. Begründete ihre Gefühle auf dilettantischen Beobachtungen hinter romantisierenden Schleiern. Verstand nicht. Sah aber super aus, von den Fotzlappen abgesehen. Einmal haben wir’s gemacht, in der Dusche, sie biss regelrecht die Fliesen von der Wand, dabei war sie ganz und gar keine Bissige. Ich machte mich also von hinten an ihr zu schaffen, fand sie auch sehr toll da im Regen, großartiges Haar, vor allem nass, herrliche Stimme, und sie benutzte sie auch, Wasser, das von ihrem Rücken ronn und zwischen ihren Arschbacken zum Bächlein wurde und dann ich mit meinem Brückenpfeiler am respektable Wellen schlagen. Ihre Art, alle Extremitäten von sich zu strecken um heftiger überrollt zu werden. Kopf im Nacken sowieso. Dabei also passierte es, dass ich sie, nun ja, durchschaute. Vielleicht verriet sie nur ein zu rotziges Durchdiehaarefahren. Vielleicht waren’s auch Informationen vom Gebärmuttereingang, weiß man's - ich ja mit körpereigener Antenne am Informationen sammeln. Aber jetzt mal kurz gesagt: Sie versuchte, eine zu sein. Oder für die Verfechter von Metaphorik: Sie träumte vom Orbit, ich bohrte nach Öl.

Hélêne also war besoffen von mir. Ständiges Anrufen, nicht enden wollendes Treffenwollen. Hélêne, Hélêne. Immer nur Hélêne. Anfangs kam mir das entgegen, denn ich hatte eine Lust an ihr. Ich hatte eine ziemliche Durststrecke hinter mir und wenn dann das Leben sein Euter gnädig herunterlässt dann säufst du dich am Leben welk. Irgendwann natürlich kannst du’s nicht länger machen wenn du’s vom Kern her eigentlich nicht machen willst. Ich sagte also: „Hélêne, du musst geh’n.“ Doch ging sie nicht, stattdessen wieder: Dusche, Extremitäten, Brückenpfeiler, Öl. Naja, mein Ego kam auf Touren und gebot orale Verwöhnung, sprich: Sie sollte vor mir knien. Liebesentzug ist ein hartes Werkzeug im Kampf um die Überhand. Ich setzte mich durch, weil ich in ihrem Fall nichts zu verlieren sah. Ihr dagegen war das dünnere Brett großflächig unter den Arsch gewachsen und ich war fleißig mit der Säge am fuchteln. „Bitte, bitte!“, so Hélêne. Im Normalfall geht's dann folgendermaßen weiter: Du fängst an dich zu ekeln, weil dir diese Verbiegung von Persönlichkeit voll zuwider ist, hast es ja selbst nicht nötig. Unser Fall war Normalfall, also: Küsse meiden, nur noch Docht reinstecken, duschen. Öl. Hélêne am wegbrechen. Hélêne mit Sand in den Händen. Mit Kopf im Sand. Hélêne am erkranken, auch körperlich. Tief liegende Augen, schwarze Folterränder darunter, Titten am verdorren, der lila Unterbauch ein traurig Flug. Ich wieder: „Hélêne, du musst geh’n.", log ihr da nichts vor, es gab kein uns. Dennoch, den finalen Cut musste ich machen. Natürlich erst später und unspektakulär, deshalb gibt es darüber nichts zu berichten. So blieb eigentlich nicht viel von Hélêne, nicht einmal ein Sprung in den Fliesen; geschweige die korrekten Accents.
14.6.07 11:20


schau mer mal.
12.6.07 10:39


ich schätze, ich bin hinterrücks ein frühaufsteher geworden. wenn ich jetzt an all die gutmütigen mütterlichen und a l l e die vorwurfsvollen väterlichen blicke denke, wie ich sie früher - eigentlich täglich - kassierte; sei es, weil ich wieder bis mittags "im seich" gelegen hatte während sie schon seit stunden für das lebensn i v e a u gearbeitet hatten, sei es, weil ich mich "morgens" herausgeschleppt hatte und wie das leiden afrikas den frühstückstisch halbtot mit schlechtem gewissen belegte; wenn ich daran denke, das kommt mir schon sehr weit weg vor. aber noch krasser als die erkenntnis, dass auch vor 8 uhr das herzelein schon schlägt ist die tatsache, dass es mir g e f ä l l t. ein frühaufsteher. zu sein. wahrscheinlich hab ich kindheit und jugend mit blockadepolitik vergeudet.
11.6.07 08:04


das wetter ist der wahnsinn, um mich herum paaren sich die hingerissenen ihren großen enttäuschungen entgegen und ich habe aus dem nichts heraus keinen zugang mehr zum lachen. die welt ödet mich so an. vielleicht ist es nur das saarland.

ich habe einen katalysator verloren.
10.6.07 09:59





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